Höreindrücke aus Malsch (99.36, Divine 100.33, Spirit 11)



  • Erstmal ein musikalisches Hallo in die Forums-Runde.

    Da ich mit meiner Frau letzten Samstag, zum Probehören in Malsch war, möchte ich hier kurz ;) meine Eindrücke schildern. Vorab noch einmal einen herzlichen Dank an Jens Hörmann, der kompetent alle meine Fragen beantwortete und nicht müde wurde, für mich die Lautsprecher zu wechseln, sie hin und her zu schieben und zwischen den verschiedenen Anpassungsmöglichkeiten zu switchen. :)

    Kurz zu meinem Audio-Background.
    Bisher hatte/ habe ich privat LS von Dali, Nubert und Heco in Stereo und im dezidierten Heimkino im Einsatz.
    Beruflich hatte/ habe ich hauptsächlich mit LS von Genelec (aktuell 8040A/ 1092A), Neumann (Klein & Hummel) und ADAM zu tun.

    Nach Malsch gekommen war ich (nach vielen Recherchen) wegen der 99.36. Um sie besser einordnen zu können, war mir auch ein Vergleich zu einer höheren und einer kleineren Serie wichtig. Hierfür standen uns dann die Divine 100.33 und die Spirit Spirit 11 zur Verfügung.

    Gehört wurde ein sehr bunter Mix aus gut und weniger gut produzierten Musik (von Cash, Dire Straits, Diana Krall, Lenny Kravitz, Bonamassa, Peder Af Uglas bis Gluecifer, Hellacopters, BLS und Metallica). Bei jeder dieser Aufnahmen weiß ich relativ genau, was ich zu erwarten habe und wo die Stärken und Schwächen liegen.

    Zuerst waren die 99.36er aufgebaut (stark auf meinen Hörplatz eingedreht, LS Basis gute 2 Meter), alle Anpassungen auf neutral und alle Stopfen draußen. CD Player und Amp waren von Arcam.
    Bei ruhigeren Stücken, bei denen Stimme und Raum im Vordergrund stehen, viel mir zuerst die sehr genaue Ortung der Stimm(en) und Instrumente auf. Jeder hatte exakt seinen Platz (wie ich es von guten aktiv Abhören kenne), wobei die Bühne (je nach Song) eine gute Tiefe hatte, aber auch nicht übermäßig groß war.
    Der Klang löste sich zwar von den LS (ein Punkt, der mir sehr wichtig ist), hier könnte aber, dem ersten Eindruck nach, noch mehr möglich sein. Der Sweetspot war bei dieser Ausrichtung recht klein: Den Kopf ein paar cm nach links, rechts bewegt und der Sänger stand nicht mehr genau vor einem in der Mitte.
    Dann haben wir mit der Position der LS und der Eindrehung gespielt und es zeigte sich, wie genau die 99.36 auf diese Parameter reagieren. Weniger stark auf den Hörplatz ausgerichtet, gewann die Bühne an größe, der Klang löste sich toll von den Speakern und der Sweetspot wurde merklich größer - so hab ich mir das vorgestellt!
    Nicht zu vergessen, die Ortung blieb nahezu auf dem Niveau der vorigen Ausrichtung.
    Für mich ist es ein sehr gutes Zeichen, wenn ein LS so sensibel reagiert. Dies erfordert zwar eine sehr sorgfältige Aufstellung, aber man kann dafür auch alles sehr genau auf die persönlichen Vorlieben abstimmen.

    Hier vielleicht kurz der Einschub, dass der ganze Bericht natürlich aus meiner subjektiven Sicht geschrieben ist und meine persönlichen Erfahrungen an diesem Tag in diesem Raum wiederspiegeln.

    Vom Klangbild her, viel mir (im positivem Sinne) kaum etwas besonderes auf. Die 99.36 sind für mich "im besten Sinne" sehr unaufgeregt und neutral abgestimmt. Die Höhen sind in keiner Weise irgendwie überhöht oder gar nervig (hab ich bei Bändchen schon anders erlebt und war vorher ein wenig meine Sorge). Der Hochtöner bringt das kleine Kunststück fertig, bei sehr angenehm - neutraler Absimmung eine wunderbare Auflösung mit einer herausragenden Detaillierung herauszuarbeiten.
    Die Mitten haben mir auf Anhieb bei sämtlichen Songs sehr gut gefallen. Zuerst einmal sind sie einfach "komplett da" und ich konnte keine Badewannen-Abstimmung ausmachen. Alles schien so wierdergegeben zu werden, wie es vom Toningenieur gemischt wurde. Wenn die Aufnahme weniger hochwertig war, wurde dies auch so herausgestellt. Gerade in den Mitten, z.B. bei elektrischen Gitarren hört man bei den 99.36 sehr ehrlich, ob die Aufnahme was taugt. Der Mitteltonberich hat also auch voll bestanden :) …Alles da, sehr neutral, super Durchzeichnung und Klarheit und dabei den Hang zum "Schonungslosen", was die Entlarvung minderwertiger Aufnahmen angeht.
    Der Bassbereich ist v.a. sehr präzise, hier wummert gar nichts und auch subtile Bassläufe wurden sauber durchhörbar wiedergegeben (die LS standen übrigens ca. einen Meter von der Wand entfernt). Hier haben wir dann auch mal mit den Brücken experimentiert und beim Anheben im Bassbereich wurde in beiden Stufen deutlich, dass subjektiv eher wenig Tiefbass dazu kommt, sondern sich wahrnehmbar eher im oberen Bassbereich etwas tut.
    Der LS klingt nun ein wenig wärmer abgestimmt mit noch etwas mehr Substanz im Grundtonbereich. Alles deutlich hörbar, aber immer im subtilen, sprich praxisnahen Bereich. Was hier besser klingt (auch in der Abstimmung des Hochtöners) ist absolut Geschmacksache und kommt natürlich sehr auf den Raum an. Mir hat die komplett neutrale Absimmung mit der Bassreflexabstimmung auf maximalen Tiefbass im Hörraum am besten gefallen.

    Nun kam die "kleine" Divine 100.33 zum Vergleich dazu (Ähnliche Aufstellung, also leicht eingedreht, wie zuletzt die 99.36). Hier möchte ich garnicht zu sehr ins Detail gehen (waren ja wegen der 99er da und habe die Divine auch nicht so ausgiebig gehört).
    Was soll ich sagen, ...ein unglaublich guter LS! Es ist garnicht so einfach die Unterschiede zur 99.36 zu beschreiben, auch wenn sie deutlich hörbar waren. Die Divine macht alles extrem souverän und klingt unglaublich körperhaft und präzise (und ist dabei trotzdem sehr neutral). Das alles kann die 99er auch, aber gerade diese "Körperhaftigkeit" wird bei der Divine strärker herausgestellt und klingt sehr beeindruckend. Mir kam der Bassbereich nachdrücklicher vor, ohne jedoch unsauber zu werden. Wunderbar geschmeidige Höhen und sehr neutrale Mitten. Insgesamt vielleicht einen Hauch wärmer abgestimmt.
    Die interessanteste Fähigkeit der Divine war aber, aus allen Musikstücken irgendwie das Beste herauszuholen. Hier klangen auch minderwertigere Aufnahmen plötzlich deutlich besser, eher höhenarme Aufnahmen wurden klarer und beißende Höhen wurden nun angenehm(er).
    Insgesamt kann ich den Vergleich für mich am besten so ausdrücken: Die Divine ist ein LS zum absoluten Musikgenuss, während die 99.36 einer guten Studioabhöre noch näher kommt und (trotzdem oder auch genau deswegen) auch rießen Spaß macht, ohne jemals anstrengend zu werden (was bei Studiomonitoren ja schon mal vorkommen kann).

    Dann kam die Spirit 11 zum Einsatz. Erster Eindruck: Sehr voll und körperhaft (bei ersten Klaviertönen vom Diana Krall Album, war ich von der Fülle her, schon fast eher an die Divine erinnert). Mit weiteren Musikstücken zeigte sich dann, dass sie für meinen Geschmack im Bassbereich doch etwas zu kräftig aufspielen und dabei nicht ganz die Präzision und Sauberkeit der 99.36 erreichen. Der Höhenbereich war hier auch im Vergleich etwas zurückgenommen und zeigte nicht ganz die strahlende Offenheit der 99er. Falls es sowas wie Grundtonhörer und Obertonhörer gibt, steht die Spirit für mich eher auf der Grundtonseite ;) . Die Spirit 11 ist auf jeden Fall auch ein toller LS, der je nach Geschmack und Musikrichtung großen Spaß macht.

    Für mich lässt sich abschließend sagen, dass die 99.36 so ziemlich alles erfüllt hat, was mir wichtig ist: Straffer, sehr sauberer Bass, Mitten klar, neutral und super durchhörbar, ohne dabei hier eine Senke zu zeigen (mit derer sich andere Hersteller gerne eine tolle Durchhörbarkeit und Klarheit "ermogeln"). Die Höhen immer wunderbar angenehm, trotz herausragender Auflösung und Detaillierung. Über allem diese (stets schön klingende :) ) Ehrlichkeit.

    Dass sie nicht ganz diese "Körperhaftigkeit" der Divine hat, sehe ich in meinem Hörraum (ca.22 qm + relativ wandnahe Aufstellung) sogar als Vorteil, da ich mir Vorstellen kann, dass die Divine diese Stärke hier nicht so ausspielen kann, wie im Hörstudio. Auch der kleinere Sweetspot, könnte bei mir Vorteile haben, da einer der LS < 80 cm Wandabstand haben wird und es so durch die etwas gerichtetere Abstrahlung zu weniger Reflexionen kommt.
    Zu guter letzt gefällt meiner Frau die 99.36 auch noch optisch am besten - ist also eine ziemlich klare Entscheidung für mich und ich bin schon sehr gespannt, wie sich die LS bei uns zuhause machen werden.



  • Wow, ein toller Bericht, vielen Dank dafür. Was hast du denn beruflich mit den Studiomonitoren von Genelec, Neumann etc. zu tun?

    Ich war selbst auch schon in Malsch und kann deine Eindrücke der 99-Serie absolut nachvollziehen. Die spielen wirklich wie große Studiomonitore auf. Sehr neutral und linear, dabei aber eben auch stark bündelnd. Dadurch haben sie diesen "direkten" Klang mit unheimlich vielen Details aber eben nicht die Luftigkeit wie z.B. die Divine 100.33 oder in Teilen auch die Spirit 11 (obwohl ich letztere noch nicht hören konnte).
    Das war zumindest mein Eindruck beim Vergleich von 99.36 und 100.33.

    Die Spirit ist ja in Sachen Frequenzgang ebenfalls extrem neutral unterwegs, wird aber vermutlich wegen des äußerst breiten Abstrahlverhaltens anders klingen.
    Das werde ich mir wohl demnächst mal noch anhören müssen.



  • Hast du nur mit Dirac Korrektur gehört oder auch mal ohne ?



  • ein toller Bericht, vielen Dank dafür

    Sehr gern, ich lese solche Berichte auch immer gerne und dachte, ich trage mal meinen Teil dazu bei. Auch wenn es nicht ganz einfach ist, die ganzen Eindrücke in Worte zu fassen.

    Was hast du denn beruflich mit den Studiomonitoren von Genelec, Neumann etc. zu tun?

    Ich bin Toningenieur und arbeite seit gut 10 Jahren mit den beschriebenen Genelecs. Die anderen LS konnte ich in anderen Tonregien hören, wobei mein absoluter Favorit die (ehemals) Klein & Hummel O 300 waren.

    Dadurch haben sie diesen "direkten" Klang mit unheimlich vielen Details aber eben nicht die Luftigkeit wie z.B. die Divine 100.33

    "Luftigkeit" trifft es ganz gut… sehr gefällig mit beeindruckender Tiefe - während die 99.36 für mich das gnadenlosere "Präzisionsinstrument" ist, mit eben diesem direkten, detailreichen Klang, der halt auch weniger verzeit (liegt mir persönlich vielleicht etwas mehr). Bin wie gesagt sehr gespannt, wie sich dies in unseren vier Wänden darstellt.

    Hast du nur mit Dirac Korrektur gehört oder auch mal ohne ?

    Ganz im Gegenteil, wir haben ausschließlich ohne Korrektur gehört.
    Laut Herrn Hörmann waren keine Raumkorrekturen im Signalweg.



  • Das nenne ich mal einen super geschriebenen Hörbericht! :-bd
    Hat echt Spaß gemacht zu lesen.
    Vielen Dank dafür.
    Habe ich das jetzt richtig verstanden das du nun 3 oder 4 LS Hersteller dann zuhause hast?



  • @LP59:

    Auch wenn es nicht ganz einfach ist, die ganzen Eindrücke in Worte zu fassen.

    Das stimmt, fällt mir immer sehr schwer. Dir ist es allerdings echt gut gelungen finde ich. Insbesondere finde ich es beeindruckend, dass du dennoch kaum blumige Begriffe benutzt sondern welche, die man sich gut vorstellen kann.

    @LP59:

    Ich bin Toningenieur und arbeite seit gut 10 Jahren mit den beschriebenen Genelecs. Die anderen LS konnte ich in anderen Tonregien hören, wobei mein absoluter Favorit die (ehemals) Klein & Hummel O 300 waren.

    Wow, das ist natürlich klasse, wenn man so eine Referenz hat. Dann kennst du dich mit gutem Klang ja wohl exzellent und wesentlich mehr aus als die meisten anderen ;-).
    @LP59:

    Bin wie gesagt sehr gespannt, wie sich dies in unseren vier Wänden darstellt.

    Wann ist es denn so weit? Hast du sie schon bestellt?



  • Besten Dank Micha und Joda,

    Habe ich das jetzt richtig verstanden das du nun 3 oder 4 LS Hersteller dann zuhause hast?

    ist tatsächlich so,dass sich im Laufe der Zeit einiges an LS (auch verschiedener Marken) angesammelt hat.
    Im dezidierten Heimkino besteht die Front z.B. aus Nuwave 85 und CS 65 Center.

    Im jetztigen Wohnzimmer/ Heimkino haben wir momentan vorne noch kompakte Heco XT 301 LS, unterstützt durch einem kleinen geschlossenen B&W Sub (dieses Set wird nun veräußert und soll durch die 99.36er ersetzt werden).
    Hier hören wir auch zu 80% Musik in Stereo (mit extra Amp) und ich habe schon länger vor, die Hecos upzugraden.
    Die Surround LS sind Nubert Dipole (NuLine24) und der Rear- bzw. Atmos-Bereich wird durch Kompakte LS von Dali abgedeckt.
    Ist relativ bunt zusammengewürfelt - die Gründe hierfür sind zum einen optischer Natur (WAF), zum anderen waren die LS teilweise schon vorhanden und machen aber einfach auch einen guten Job (genau wie das XT32 ;) …da bin ich relativ pragmatisch).

    Das mit den Studioabhören ist Segen und Fluch... wenn man Abends heim kommt und Musik nicht auf ähnlich hohem Neveau hören kann, wurmt einen das schon ein wenig (wenn ich auch beruflich eher wenig mit Musik, sondern eher mit Filmen zu tun habe).
    Hab mich einfach schon zu lange mit "kleineren" Lösungen abgegeben und da ich das Thema "Standlautsprecher im Wohnzimmer" endlich erfolgreich "durchgekämpft" habe :) , kommen nun die 99.36 in Haus.

    Wann ist es denn so weit? Hast du sie schon bestellt?

    Da wir uns für die schwarze Ausführung entschieden haben und diese ja momentan nicht lieferbar ist, muss ich mich noch ein Weilchen gedulden - Aber Herr Hörmann weiß Bescheid!



  • Danke für die Antwort! ;)
    Ist immer mal interessant so etwas zu lesen.



  • "The eagle has landed!" :smiley:

    ...bzw. die zwei 99.36er!
    Komme leider erst am Samstag zu den Lautsprechern, da ich sie zu meinem Elternhaus habe liefern lassen. Dort werden sie dann im Heimkino eine Woche durchgängig eingespielt und anschl. zu uns nach hause überführt.
    Vorfreude!:blush:



  • Toller Bericht LP59. Wie ist denn dein subjektiver Eindruck im Vergleich zu den Nuberts? Hattest du sie auch als Front?



  • Mein dezidiertes Heimkino ist ja in meinem Elternhaus "verbaut" (wo meine Eltern wesentlich öfter Film schauen, als wir:stuck_out_tongue_closed_eyes: ). Dort sind die NuWaves mit dem CS 65 Center am werkeln. Sobald beide 99.36er Lautsprecher am Start sind und sie eingespielt sind, kann ich gerne auch mal mit den NuWave vergleichen (in Stereo).
    Die 99.36 habe ich dann aber nur zur Einspielzeit im Heimkino neben den Nuberts, danach spielen sie in unserer Wohnung, wo sie hauptsächlich für Stereo gedacht sind (aber natürlich ebenso ins "Wohnzimmerkino" eingebunden sein werden).



  • So, die Einspielzeit im Heimkino ist vorbei (eine knappe Woche bei leicht gehobener Zimmerlautstärke) und nun ich habe die 99.36er zu uns in die Wohnung geholt. Ich komme leider erst am Wochenende dazu sie an meinen NAD zu hängen, aber ein paar erste Eindrücke - im direkten Vergleich zu meinen NuWave 8 (nicht 85) im Heimkino, kann ich hier schon einmal schildern. Zuerst viel mir auf, dass Die Nuberts ca. 4 dB lauter spielen, hier der Vergleich des Wirkungsgrades:

    99.36: (2,83 V / 1 m)--> 87 dB
    NuWave 8: (1 Watt / 1m) --> 86 dB

    Hier war also bei jedem Umstecken der Bananenstecker eine Lautstärkekorrektur wichtig. Da ich auch mit den Steckbrücken und den Stopfen experimentiert habe kann ich leider keine feste Einstellung während des Vergleichs benennen, aber meist waren Beide LS (auch die Anpassung der Nubert) möglichst linear.

    Als erstes fällt die sehr extreme Senke der Nuberts in den Mitten auf. Wenn man eine Weile diese LS hört und dann auf die 99.36 wechselt, kommt es einem erstmal so vor, als ob die Mitten dominieren. Hat man sich dann eingehört, rückt sich sehr schnell alles "gerade" und man hat einen ausgewogenen Höreindruck. Nach vieler verschiedener Musik und noch häufigerem Umstecken, kam für mich folgendes heraus:

    Die Nubert hat einen etwas vordergründigeren Bass, der sehr präsent und auch präzise ist, aber auch gerne das Klangbild dominiert. Das kann bei entsprechender Musik durchaus reizvoll sein, ist aber oft auch zuviel des Guten. Die 99.36 geht tiefer runter, was aber gar nicht immer so leicht zu erfassen ist, da der Bass linearer und zurückhaltender/ feiner spielt.

    Eines Etage weiter oben im Grundtonbereich, hat die Nubert auch etwas mehr Pegel, was bei leisen Lautstärken oft ganz gut ist. Die 99.36 ist hier etwas zurückhaltender und lässt sich mit den Steckbrücken in diesem Frequenzbereich bei Bedarf auch etwas "wärmer" abstimmen.

    Die Mitten sind wie beschrieben bei der Nubert extrem zurück genommen. Beim umgekehrten Wechsel von 99.36 auf NuWave, wird dies noch klarer und die doch als ziemliche "Badewanne" zu bezeichnende Abstimmung der Nubert wird sehr deutlich. Grundsätzlich mag ich die neutralere Abstimmung der XTZ wesentlich lieber, man muss aber auch zugeben, dass bei manchen rockigeren Nummern (mit viel mittiger Gitarrenwand), die Nubert auch ihren Reiz hat und es manchmal etwas weniger anstrengend klingt.

    Was die Höhen angeht macht die Nubert "die Badewanne dann auch ordentlich voll" :-) . Sprich, sie hat deutlich mehr Höhen als die 99.36. Hier muss man sich bei einem direkten Wechsel unbedingt auch ein wenig Einspielzeit gönnen, ansonsten wirkt die Nubert richtig giftig in den Höhen und die 99.36 kommt schnell etwas dumpf rüber. Nach einiger Hörzeit war dann sehr deutlich, dass die 99.36 alle Höhen sauber darstellt und diese eher "samtig" und extrem gut aufgelöst in den Raum stellt. Alles ist wo es hingehört und auch die Frequenzen nahe der oberen Hörschwelle sind genau richtig eingebunden. Dies klingt sehr fein und "nobel" für mich. Die Nubert packt da schon ganz anders zu. Hier haben die Höhen einen härteren Charakter, der durch die Badewannenabstimmung noch hervorgehoben wird.

    Was die Bühnenstaffelung angeht, kann die Nubert durchaus mithalten und ist auch immer noch einfach ein sehr pegelfester und guter LS. Was aber die Durchzeichnung, Präzision, Abstimmung und "Feinheit im Ton" angeht, kommt die NuWave 8 (für mich) nicht an die 99.36 heran (sind ja aber eigentlich auch zwei verschiedene Klassen). Soweit mein erster Eindruck im Heimkinoraum, jetzt bin ich mal sehr gespannt, wie sich die 99er in unserem Wohnzimmer machen werden...



  • Dank dir für die ersten Worte.
    Interessant was du da heraus gehört hast.
    Gerade was die Abstimmung und Frequenzbereiche angeht.



  • @LP59 sagte in Höreindrücke aus Malsch (99.36, Divine 100.33, Spirit 11):

    man muss aber auch zugeben, dass bei manchen rockigeren Nummern (mit viel mittiger Gitarrenwand), die Nubert auch ihren Reiz hat und es manchmal etwas weniger anstrengend klingt.

    gerade Gitarren und Klavier sind das was mich immer wieder besonders beeindruckt.
    Das war auch schon beim ersten Probehören so, und die 99.36 daraufhin fast schon gekauft :)



  • So, die 99.36 stehen jetzt schon eine Weile in unserem Wohnzimmer und ich habe mich in den letzten Tagen ausführlich mit deren Aufstellung und Integration in den Raum beschäftigt. Für mein Raumkonzept ist v.a. ein Verschieben den LS-Position wichtig, deshalb muss ich erstmal etwas weiter ausholen und will kurz die Sockelkonstruktion meiner 99.36 vorstellen. Diese setzt sich aus selbstgefertigten LS-Füßen aus Edelstahl und einer LS-Basis zusammen.
    Hier konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, da ich mit den Aluminium-Füßen der 99.36 optisch nicht so richtig warm wurde und auch einen unerschütterlichen Stand (gelegentlicher Kinderbesuch etc.) brauche, der gleichzeitig ein Verschieben der LS zulässt.
    Also habe ich mir aus Edelstahl eine Fußkonstruktion gebaut, die mir optisch super gefällt und eine feste Verbindung zur LS-Basis (Sandwich aus schwarzer Steinplatte und Stahlplatte) möglich macht. Das Ganze funktioniert so, dass nachdem die Lautsprecher(-Spikes) auf der Steinplatte austariert sind, eine M6-Schraube von unten durch die LS-Basis in den LS-Fuß geschraubt wird.
    Somit hat man eine feste Verbindung, der LS ist "stoßfest" an die sehr schwere Bodenplatte angekoppelt und diese ist wiederum mit Absorbern vom schwimmend verlegten Parkett entkoppelt. Durch Filzpads unter den Absorberfüßen ist das Ganze dann trotz hohem Gewicht (ca. 50 Kg) noch verschiebbar. Auf den Bildern wird die Konstruktion am besten deutlich.

    Hier die Unterseite der LS-Basis mit Stahlplatte, Steinplatte und den Absorberfüßen. In der Mitte der Platte ist auch die Bohrung für die M6-Schraube zu sehen, die später im LS-Fuß mündet.
    0_1491739627169_LS Basis.JPG

    Absorberfuß im Detail
    0_1491739810586_LS Basis Close.JPG

    Konstruktion meines 99.36-Fußes. Die Edelstahlteile sind mit 2K-Kleber bombenfest verbunden (Schweißen gehört nicht zu meinen Stärken :blush: ). Hier ein Bild der "Klebephase".
    0_1491739871721_99.36 Stand.JPG
    Durch Unterlagscheiben, ist die Konstruktion übrigens absolut rückstandslos montierbar, ohne den LS am Lack zu berühren.

    Hier die Seitenansicht mit grade verschraubtem 99.36
    0_1491740241115_99.36 montiert.JPG

    Hat jetzt doch länger gedauert ;-) Über die Aufstellung und die Klangeindrücke schreibe ich dann bald, heute ist erstmal noch Sonne genießen mit Frau angesagt :-)!



  • gut ausgeklügelt :)

    Bin gespannt auf deine klanglichen Eindrücke. Aber aus der Tatsache das du dir solche Arbeit machst schließe ich das die .36 bei dir bleiben :)



  • Ja da hat sich einer echt Gedanken gemacht.
    Bin schon auf deinen Klangbericht gespannt.



  • So, dann will ich mal versuchen, meine heimischen Klangeindrücke zu "Papier" zu bringen. vorab gleich mal ein Bild des Höraums/ Wohnzimmers, dann kann man sich das Ganze besser vorstellen...
    0_1491754582400_Hörraum 02.JPG Da ich aufstellungstechnisch möglichst wenig Kompromisse eingehen wollte, sieht man auf dem Bild schon, wie wichtig die Möglichkeit des "leichten Verschiebens" der LS ist :-).

    Zugespielt wird von einem Technics CD Player und verstärkt wird über meinen NAD C355BEE.
    Habe erstmal sehr viel hin- und hergeschoben, eingewinkelt, Positionen auf dem Parkett eingeklebt, Hörplatz gewechselt etc., um im ca 21,5 qm Raum die optimale Abstimmung zu finden. Die 99.36 sind tatsächlich nicht gerade einfach aufzustellen, da sie halt eine sehr präzise "Rückmeldung" geben und nicht überall mit ihrer Position zufrieden sind ;).

    Sehr schnell habe ich bemerkt, dass sich bei meiner eingentlichen Haupt-Hörposition, auf der schwarzen Couch eine relativ große Senke im Bassbereich befindet.

    0_1491755471882_Hörraum 01.JPG
    Dies war mir noch nie so stark aufgefallen, da meine vorigen LS schlicht nicht so weit runter gingen. Egal, ob die 36er nah oder weiter von der Rückwand entfernt sind, die Senke hält sich mehr oder weniger stark ausgeprägt sehr hartnäckig. Der Klang ist dadurch relativ dünn im Bassbereich, aber auch teilweise im Grundton. Mit genug Pegel und etwas EQ unterstützung ist es besser, jedoch bekommt man dann an anderen Stellen im Raum (an denen sowieso ein Bass-Hoch ist) schon mächtig Druck und meine Nachbarn hören "leider" nicht sooo gerne meine Musik (bzw. den Bassanteil).
    Also einen Versuch gewagt und meinen kleinen geschlossenen B&W ASW 608 Sub wieder ausgepackt (war schon zum Verkauf bereit) und mit diesem experimentiert. So ergab sich eine wunderbare Position des Subwoofers rechts hinter/ unter mir im Regal (auf einer schweren Steinplatte). Angekoppelt bei ca. 60Hz füllt er ziemlich gut das Bassloch an meiner Hörposition. (Habe den Sub an eine schaltbare Steckdosenleiste angeschlossen und konnte so sehr deutliche A/B-Vergleiche machen). Den Bassbereich habe ich mit den Brücken um 3dB angehoben und so habe ich nun einen sehr gut durchhörbaren, tiefen und präzisen Bass. Der Grundton könnte noch etwas voller und mächtiger klingen, was glaube ich, noch mehr Emotionen ins Spiel bringen würde. Aber das würde vielleicht auch auf Kosten der guten Durchhörbarkeit gehen.

    Der Mittenbereich ist, wie im Hörraum in Malsch schon klar wurde, einfach wunderbar aufgelöst und lässt keine Details und Nuancen vermissen - eine absolute Stärke der 36er, wie ich finde!
    Es macht einfach Spaß zu hören, was hier bei kleinen Veränderungen der Aufstellung passiert und wie feinfühlig sich Klangbild und Bühne verändern.

    Da dies ja meine ersten LS mit Bändchen HT sind, musste ich mich tatsächlich erst einmal an den Klang gewöhnen (da ich keinen Vergleich in meinem Hörraum habe, weiß ich nicht, ob dies nur für die 36er, oder auf Bändchen zutrifft).
    Ich habe für mich Folgendes festgestellt: Im unteren Höhenbereich/ oberen Mittenbereich spielt sie etwas zurückhaltender, während die oberen Höhen wieder (bis zur Hörschwelle) voll da sind. Daraus ergibt sich ein Klangbild, welches einen nicht so direkt anspringt, sondern eine große Feinheit offenbart und sich eher vornehm zurückhält. Dies wurde mir schon beim Vergleich mit den NuWave 8 klar und zeichnet sich auch hier (im Vergleich zu meinen Dali-Kompakten mit Kalotten-HT im Nebenzimmer) ab. Je nach Mischung ist dies mehr oder weniger deutlich und verleitet gerne zum Lauterdrehen, weil sehr selten mal etwas anstrengend klingt. Ich habe momentan die Brücke auf "+3dB" gesteckt, aber je nach Album kann das auch zuviel des Guten sein und ich gehe zurück auf "Neutral".

    Die Bühne, welche die 99.36 in unser Wohnzimmer stellen, ist immer wieder beeindruckend für mich. Hier zeigt die Box absolut, wie so etwas gehen kann. Der Klang löst sich unglaublich plastisch von den Boxen und die Stereomitte ist wunderbar scharf gezeichnet (es ist erstaunlich, plötzlich so deutlich zu hören, wie die Stimme bei verschiedenen Alben weiter vorne oder hinten im Raum steht). Die Instrumente verteilen sich über die gesamte Stereobreite und je nach Aufnahme auch mal darüber hinaus. (Z.B. das sehr hallig in einer Kirche aufgenommene Stück "Hymn" von Peder Af Uglas, klingt so wunderbar räumlich, dass meine Frau schon meinte, die komplette 7.1.4 Anlage läuft mit). Der Punkt "Lösen der Musik von den LS" war mir ja sehr wichtig und gelingt nun mit den 99.36 in unserem Wohnzimmer äußerst gut. Hierbei kommt es aber wirklich auch sehr auf die Aufstellung an. Ein gewisser Abstand der LS zueinander ist auf jeden Fall nötig und hier erwieß sich ein möglichst ideales Stereodreieck auch als sehr ideal ;).
    Um für den Alltag, Heimkino und audiophiles Hören gewappnet zu sein, habe ich einfach drei LS-Positionen (unauffällig) gekennzeichnet:

    "Alltagsposition" (sehr wandnah und relativ nah zusammen):
    0_1491759024877_Alltag.JPG

    "Heimkino" (etwas weiter von der Wand entfernt und deutlich breiter aufgestellt - der Center ist übrigens im Sideboard versteckt und "darf" nicht raus ;)):
    0_1491759095647_Heimkino.JPG der Bass kommt hier recht knackig, aber die Reflexionen der Rückwand und des Fernsehers sind noch auszumachen (fiel auch gleich einem befreundeten Toningenieur auf, ist aber sonst schon eher zu vernachlässigen).

    "Musik genießen" (hier habe ich die LS ohne große Kompromisse so lange im Raum verschoben, bis ich am Hörplatz eine optimale Bühne und Tiefe hatte):
    0_1491759306607_Musikhören.JPG

    Hier während der Testphase mit noch auffällig eingeklebtem Boden - man sieht den relativ großen Wandabstand deutlich, der v.a. hier die Unterstützung des Subs nötig macht, aber eine wunderbare Bühne rund um die 99.36 aufbaut:
    0_1491759990625_Hörraum 03.JPG

    Über meine Erfahrungen im Zusammenspiel mit Audyssey XT32 (Denon AVR-X5200) berichte ich dann, wenn sich meine Finger wieder erholt haben ;)



  • Gute Arbeit, Den Rahmen für die Füße hätte ich Dir auch aus einer Platte komplett raus erodieren können.
    Townshend hat auf der HighEnd in München die Seismic Isolation Podium vorgeführt. Die hätten mir gefallen aber der Preis überhaupt nicht.
    Wahr auch schon am Überlegen für die Divine 100.33 Ähnliche Platten rauszuschneiden und die Platte und Spikes zu Pulvern oder zu verchromen. Jedenfalls wirken Deine XTZ mit der Konstruktion edler.



  • @LP59 sagte in Höreindrücke aus Malsch (99.36, Divine 100.33, Spirit 11):

    So, dann will ich mal versuchen, meine heimischen Klangeindrücke zu "Papier" zu bringen. vorab gleich mal ein Bild des Höraums/ Wohnzimmers, dann kann man sich das Ganze besser vorstellen...

    Klasse, dass Du Dir diese Mühe gemacht und Deinen Beitrag auch mit Bildern sehr interessant gestaltet hast.

    Deine Klangeindrücke bezüglich der "Auflösung" und "Bühne" bzw. "Räumlichkeit" teile ich, ich konnte diese Lautsprecher auch mal live hören sogar ein bisschen im Vergleich zur grossen Divine. Das können sie wirklich gut, alle beide.

    Eine "Zurückhaltung" in den oberen Mitten ist mir damals nicht aufgefallen, aber das kann ja verschiedene Gründe haben.

    Von mir auch ein grossen Kompliment zu Deinen edelen "Füssen", das sieht einfach toll aus und wertet die Lautsprecher optisch nochmals auf.


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